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Fokus und Gewohnheiten

Keine Motivation: warum sich nichts bewegt und wie du wieder in Gang kommst

Michael Hoffmann · Stand

Kennst du das? Du weißt genau, was du tun willst, und trotzdem bewegt sich nichts. Wenn du keine Motivation hast, wartest du meist auf ein Gefühl, das sich erst unterwegs einstellt. Motivation folgt dem Handeln öfter, als sie ihm vorausgeht. Deshalb beginnt dein Weg zurück nicht mit mehr Willen, sondern mit einem kleinen Schritt, der fast zu leicht wirkt.

Woran du es merkst

Es ist Samstag, halb elf. Deine Laufschuhe stehen seit Montag im Flur, genau dort, wo du sie hingestellt hast, damit du sie nicht übersiehst. Du gehst an ihnen vorbei, einmal mit dem Kaffee und einmal mit dem Wäschekorb. Beim dritten Mal sagst du dir, dass morgen auch ein guter Tag zum Laufen ist.

Nach Feierabend stehst du vor dem offenen Kühlschrank. Du wolltest heute etwas Richtiges kochen, und das Gemüse liegt ja da. Dann bestellst du doch wieder, legst dich aufs Sofa und scrollst, bis es an der Tür klingelt. Danach fühlst du dich nicht erholt, sondern leer.

In der Ecke steht die Gitarre, an der du im Frühjahr so viel Freude hattest. Du denkst oft an sie, und jedes Mal kommt ein kleines schlechtes Gewissen mit. Irgendwann schaust du nicht mehr hin.

Am Montagmorgen klingelt der Wecker, und du bleibst noch einen Moment liegen und fragst dich, wofür du eigentlich aufstehst. Du stehst trotzdem auf und machst deine Arbeit ordentlich. Aber alles fühlt sich an, als würdest du durch hohen Schnee stapfen.

Wenn du das kennst, bist du in guter Gesellschaft. Motivationstiefs kennt fast jeder, und sie sagen wenig darüber, wie diszipliniert jemand ist. Oft zeigen sie, dass dein Akku leer ist oder dass dein Ziel zu weit weg liegt, um dich noch zu ziehen.

Was dahinter steckt

Die meisten Menschen stellen sich Motivation wie Treibstoff vor: Erst muss der Tank voll sein, dann geht es los. Im Alltag läuft es oft andersherum, denn die Lust kommt beim Tun. Nach den ersten Minuten Laufen ist sie da, nach der ersten geschnittenen Zwiebel auch, und vorher war sie nirgends zu finden. Wer auf das Gefühl wartet, wartet auf etwas, das erst unterwegs dazukommt.

Dein Kopf rechnet dabei ständig Aufwand gegen Ertrag. Wenn der Ertrag weit weg liegt, etwa die Kondition in ein paar Monaten, und der Aufwand sofort spürbar ist, gewinnt das Sofa. Kleine, schnelle Belohnungen wie das Handy oder die nächste Folge schieben sich dazwischen, weil du sie ohne Anlauf haben kannst.

Dazu kommt die Energie. Manchmal fehlt dir nicht der Wille, sondern schlicht die Kraft. Wer wochenlang zu wenig schläft oder dauernd unter Strom steht, hat abends keine Reserve mehr für das, was ihm wichtig ist. Dann ist Antriebslosigkeit kein Charakterzug, sondern ein ehrliches Signal deines Körpers.

Und dann ist da die Größe deines Berges. Ein Ziel wie „endlich fit werden“ ist so groß, dass der erste Schritt darin verschwindet. Dein Kopf sieht den ganzen Berg und entscheidet, dass heute nicht der Tag dafür ist.

Das ist übrigens etwas anderes als das Aufschieben einer bestimmten Aufgabe, vor der du dich drückst, weil sie sich unangenehm anfühlt. Darüber steht mehr im Artikel über das Aufschieben. Keine Motivation zu haben fühlt sich breiter an: Dir fehlt nicht der Mut für eine Sache, dir fehlt der Schwung für vieles.

Was viele tun, und warum es nicht hilft

Du wartest, bis die Lust von selbst wiederkommt. Manchmal tut sie das, meistens nicht. Je länger du wartest, desto größer wird der Abstand zu der Sache, und desto schwerer fällt dir der Anfang.

Du suchst Motivation von außen. Du schaust Videos von Menschen, die um fünf Uhr aufstehen, und liest Sprüche über Disziplin. Für eine halbe Stunde fühlst du dich angefeuert, danach sitzt du auf demselben Sofa, nur mit dem Gefühl, dass alle anderen es schaffen.

Du machst einen großen Plan. Ab Montag willst du viermal pro Woche laufen und jeden Abend frisch kochen. Der Plan ist so groß, dass schon der erste verpasste Termin ihn kippt, und dann fühlt sich alles wie gescheitert an.

Du schimpfst mit dir. „Stell dich nicht so an“ klingt nach Antrieb, ist aber Druck, und Druck kostet genau die Kraft, die dir sowieso fehlt.

Du gibst dem Tief nach und machst gar nichts mehr. Das Sofa verspricht Erholung, doch Herumhängen ohne echte Pause erholt kaum. Oft bist du danach müder als vorher.

Alle diese Wege gehen davon aus, dass zuerst das Gefühl kommen muss und dann die Handlung. Bei den meisten Menschen ist es umgekehrt.

Was wirklich hilft

Fang an, bevor du Lust hast. Du musst dich nicht motiviert fühlen, um deine Schuhe anzuziehen. Nimm dir nur diesen einen Handgriff vor und nicht den ganzen Lauf. Wenn du nach fünf Minuten umkehren willst, darfst du das. Meist willst du es dann nicht mehr, weil deine Kraft unterwegs dazugekommen ist.

Mach deinen Berg klein. Frag dich nicht, wie du fit wirst, sondern was der kleinste Schritt ist, den du heute gehen kannst. Vielleicht ist es, die Gitarre zu stimmen, und mehr nicht. Ein kleiner Schritt, den du wirklich gehst, bringt dich weiter als ein großer, den du nur planst.

Erinnere dich an deine eigene Kraft. Denk an eine Zeit, in der du etwas angepackt hast, obwohl es anfangs zäh war, zum Beispiel an deinen letzten Umzug oder an die Prüfung, vor der du so viel Respekt hattest. Diese Kraft ist nicht verschwunden, sie ist nur gerade nicht in Gebrauch.

Kümmere dich um deinen Akku. Wenn dir nicht der Wille fehlt, sondern die Energie, hilft dir kein neuer Vorsatz, sondern Erholung. Sorg für genug Schlaf und geh tagsüber ans Tageslicht, auch wenn es nur für einen Spaziergang um den Block reicht.

Eine kleine Übung für den Moment, in dem nichts geht: Stell dich hin, richte dich auf und nimm einen tiefen Atemzug. Stell dir dabei vor, du stehst am Fuß eines Berges. Du musst heute nicht hinauf. Du schaust nur auf den Weg direkt vor deinen Füßen und siehst den ersten Stein, auf den du treten kannst. Denk an einen Moment, in dem deine Kraft schon einmal da war, und spür, wie sich dein Rücken dabei aufrichtet. Dann geh genau diesen einen Schritt, in deinem echten Alltag und am besten sofort.

Wiederhole dieses Aufrichten mit dem tiefen Atemzug jedes Mal, wenn du etwas beginnst. Nach einer Weile verbindet dein Körper es mit dem Anfangen, und es wird zu deinem Startsignal.

Im Arbeitsalltag

Fehlender Antrieb im Team zeigt sich selten als offene Unlust. Er sieht aus wie Dienst nach Vorschrift oder wie ein Meeting, in dem alle nicken und niemand eine eigene Idee einbringt. Dahinter steckt selten Faulheit. Häufiger sind es Erschöpfung oder das Gefühl, dass die eigene Arbeit nichts bewirkt.

Unternehmen können hier mehr tun als Motivationsreden halten. Wer seinem Team zeigt, was aus seiner Arbeit geworden ist, gibt dem Aufwand einen Ertrag, den man sehen kann. Wenn viele Menschen gleichzeitig antriebslos wirken, lohnt es sich, zuerst die Arbeitslast anzuschauen, bevor man an ihrer Haltung zweifelt. Und Führungskräfte, die fragen, was jemanden gerade Kraft kostet, erfahren oft mehr als durch jede Zielvereinbarung.

Kurze Übungen zum Aufrichten und Sammeln passen in jede Mittagspause und brauchen keinen eigenen Raum. Wie das im Betrieb aussehen kann, steht auf unseren Seiten für Arbeitgeber.

So übst du es mit Innenstark®

Der Berg aus der Übung oben ist keine Erfindung für diesen Artikel. Er ist der Kern des Themas Motivation & Antrieb in der Innenstark®-App: drei kurze Wege, darunter „Der Berg und der Schritt“ und „Kraft wecken“, der die Energie dort weckt, wo sie sitzt, nämlich in deinem Körper. Zu jedem Weg gehört ein Körper-Anker aus Aufrichten und einem tiefen Atemzug, den du im Alltag jederzeit nutzen kannst. Eine ruhige Stimme führt dich, und du hörst einfach zu.

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Häufige Fragen

Warum habe ich keine Motivation, obwohl ich etwas ändern will?

Weil Motivation selten vor dem Handeln kommt. Meist stellt sie sich erst ein, wenn du schon angefangen hast. Wer auf das Gefühl wartet, bleibt stehen, und wer mit einem kleinen Schritt beginnt, holt es sich unterwegs.

Was ist der Unterschied zwischen Antriebslosigkeit und Faulheit?

Bei Faulheit könntest du, aber du willst nicht. Bei Antriebslosigkeit willst du, und es geht trotzdem nicht, oft weil dein Akku leer ist oder dein Ziel zu weit weg liegt. Mit Vorwürfen kommst du da nicht heraus, mit kleinen Schritten und echter Erholung schon.

Wie kann ich mich aufraffen, wenn ich total lustlos bin?

Nimm dir nur den allerersten Handgriff vor und erlaube dir, danach aufzuhören. Richte dich dabei auf und atme einmal tief durch. Meistens kommt die Lust nach ein paar Minuten, und wenn nicht, hast du wenigstens angefangen.

Wann ist Antriebslosigkeit ein Warnzeichen?

Wenn sie über Wochen anhält und du dich auch an Dingen nicht mehr freuen kannst, die dir früher wichtig waren. Dann kann eine Depression dahinterstecken, und das gehört ärztlich abgeklärt. Eine Depression lässt sich gut behandeln.

Über den Autor

Michael Hoffmann

Michael Hoffmann ist Senior Coach (DBVC), ICI Master Coach Trainer, systemischer Coach und Organisationsberater. Er begleitet Führungskräfte, Teams und Organisationen in Veränderungsprozessen und unterstützt Menschen dabei, zu mehr Klarheit, innerer Stärke und Selbstwirksamkeit zu finden.